Whoza

Photo by Eckhart Derschmidt

Whoza live @ Porgy&Bess Vienna, 2019

photo by Eckhart Derschmidt

WHOZA!
ChristianGonsior: saxophones
Patrick Zambonin: E-bass
Clemens Adlassnigg: drums

Energiegeladene Improvisationen, komplexe Rhythmen und Grooves sowie pure Spielfreude charakterisieren die Formation mit dem südafrikanischen Namen „Whoza!“: Das Wort bedeutet soviel wie „rise up“ oder „wake up“. Das Trio experimentiert mit Rhythmen aus Afrika und stellt diese in neue Zusammenhänge. Ausgesuchte Songs aus der afroamerikanischen Musikwelt des Jazz ergänzen die programmatische Aussage von „Whoza!“.

 

 

Christian Gonsior

photo by Eckhart Derschmidt

Der Saxophonist Christian Gonsior steht seit 30 Jahren mit improvisierter Musik auf der Bühne und orientiert sich vor allem am freieren Jazz der 1960er und 70er Jahre. Begegnungen mit Musikern aus Afrika und den USA haben sein Saxophonspiel nachhaltig beeinflusst. Hervorzuheben sind verschiedene Aktivitäten wie eine CD-Produktion gemeinsam mit dem US-amerikanischen Perkussionisten Leopoldo F. Fleming (Trato Comun, NYC 2013), Trio Ouro Negro mit Yta Moreno, Duo SilGon, Musiker/Komponist im Wiener KlangKombinatKalksburg, im Takon Orchester, mit Guem, Celia Mara, Sunny Murray, Uli Scherer etc.

 

 

Patrick Zambonin (bass)

photo by Herbert Ulrich

Der Schweizer Bassist Patrick Zambonin besticht durch coole Grooves und Experimentierfreude. Nach Jahren des Aufenthalts in London und Boston (Music School Berklee) spielte er mit Afrobeat-Legende Tony Allen, British-Jazz Legende Don Weller und der Cuban-Funk Band Motimba. In Österreich ist er begehrter Sideman zB in Uli Drechslers „Drechsler“ und in der Band der türkischen Jazzpianistin Selen Gülün.

 

Clemens Adlassnigg (drums)

photo by Herbert Ulrich

 

Konzertrezension 20.9.2019, Porgy&Bess Vienna von Hannes Schweiger

AUFGEWECKTE ERBEGESTALTUNG
Knurrend, knatternd versetzte der Protagonist mit einem variierenden, prägnanten Riff das Baritonsaxophon in Schwingung. Auffallende Behändigkeit war im Spiel als die Luftsäule dem Instrument entstieg. Rhythmusversessenheit ist dabei unüberhörbar. Ein fähiger Melodie-Connaisseur ist er obendrein. Er, das ist Multiholzbläser Christian Gonsior. Seit drei Jahrzehnten Fixgröße des österreichischen Jazzsprengels, der jedoch grund seiner zurückhaltenden, bescheidenen Art viel zu unbeachtet geblieben ist.

Whoza! live at Porgy&Bess, Vienna. Foto by Eckhart Derschmidt

Ein unermüdlich, ernsthaft Forschender, der sich speziell in den Fortgang der erweiterten Jazzprinzipien der 1960er Jahre und deren Postentwicklungen der 1970er Jahre vertieft. Da wiederum damalige Tendenzen einer noch umfassenderen Auseinandersetzung mit Rhythmen Afrikas bzw. des Einbezugs des Funk-Idioms aufgreifend. Nicht nur ist Gonsior dadurch zu einer aufregend rhythmisierten Phrasierungsweise gelangt, adäquat zum dezidierten Eigenton, sondern kreativisierte vor allem mit diesem Trio, der afrikanische Name des Programmes bedeutet soviel wie „sich erheben“, eine persönliche, inspirierte Umsetzung. Zweifellos aktuell positioniert. Für die rhythmisch strukturierte Grundidee der Musik gingen die Musiker auf Suche nach ausgefallenen, afrikanischen Rhythmen. Beispielsweise stießen sie auf einen Bikuzi genannten Rhythmus aus Kamerun usw. Um dieses rhythmische Grundgerüst drapieren sich groovende thematische Figuren, Eigenentwürfe oder entliehene wie z.B. Ed Blackwells „Togo“, Billy Bangs „Rainbow Gladiator“, Clifford Jordans „John Coltrane“, die der Saxophonist mit gefinkeltem Sinn für Off-Beats mit den rhythmischen Geweben von Bass und Schlagzeug vernetzt. Polyrhythmische, -metrische Kunststücke folgten. Da packte gelöst fließende Kontrapunktik zu. Im Brennpunkt stand dabei Clemens Adlassnigg der mit kontrollierter Energetik die Musik nach vorne wuchtete. Perfekt in der Time fächerte er die Grundrhythmen mit eigenen übereinandergeschichteten Drumpatterns auf, überraschte unentwegt mit findigen asymmetrischen Akzentuierungen, differenzierte sein Spiel mit besonderer dynamischer wie klanglicher Sensibilität. Und er vergaß nie zu tänzeln. Tony Williams, dem sich Adlassnigg verbunden fühlen dürfte, sagte einmal: „Eine der Hauptaufgaben des Drummers ist es, jeden anderen gut klingen zu lassen.“ Genau das tat Adlassnigg mit seinem kohäsiven Drumming. Bei seinen Soli, im Zuge derer er ebenso wenig wie Gonsior die Chorusanzahlen überspannte, galt dies analog. Singbare Linien, einem warmen Ton anvertraut, in entschlackterer Dichte, des präzise agierenden E-Bassisten, potenzierten die Plastizität des Kollektivkonstruktes. Improvisatorisch hat klarerweise Gonsior viel Platz. Er nütze den Verzicht eines Harmonieinstrumentes zu uneingeschränkterer harmonischer Flexibilität.

Ch.Gonsior & C.Adlassnigg. Foto by Eckhart Derschmidt

Markant auf dem Tenor. Lineare Verlaufstränge, tonal verwurzelt mit überlegten klanglichen Ausfransungen, in eben der individuellen Melodierhythmik, der Bindung an Tonarten entsagend, verkündete er in den spontanen Assoziationen seine tiefe Verbundenheit mit und Respekt zum afroamerikanischen Jazzstamm. Das Trio als homogene Einheit. Begleitet von extrovertierter Lustbarkeit und Good Vibrations. Improvisierte Musik ist das Resultat angestrengter Arbeit und wie auch immer Auseinandersetzung mit der Umwelt. Heute umso erforderlicher, zwecks Gegenpols zu immer ausgehöhlterer Empathie, übermächtiger Fremdbestimmtheit, einem dreist überwachten Konsumdiktat. „Whoza, Whoza“. © HANNES SCHWEIGER

Kontakt: mail@christiangonsior.com

(whoza@gmx.at)

VIDEOS

live @ Porgy&Bess 20 09 2019:

live @ Blue Tomato 2013:

 

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